Ich hatte die Möglichkeit, mich mit einem druckfertigen interessanten Büchlein bekannt zu machen. Es handelt sich um Erinnerungen von Herrn Matthäus Wittek: „Von Kutscherau nach Westhausen“. Kutscherau ist eines der acht Dörfer der Wischauer Sprachinsel ca. 30 Km östlich von Brünn. Herr Wittek ist 1946 als 13jähriger mit seiner Familie und anderen deutschen Bewohnern nach Deutschland vertrieben worden. In der Broschüre sind seine Erinnerungen an seine Kindheit in Kutscherau zu finden – wie er, der Anfang, Lauf und Ende des Krieges erlebt hat. Geschildert werden auch das Schicksal der deutschen Familie, die Aussiedlung und schwierige Anfänge in Westhausen. Der Autor hat in früheren Jahren seine Erinnerungen an Frau Dr. Pechova aus Brünn geschickt, die diese beachtungswert und sorgfältig ins Tschechische übersetzt hat. Die Handschrift in tschechischer und deutscher Sprache ist auch mit einigen zeitgenössischen Fotos vervollständigt.
Ich bin derselbe Jahrgang wie Herr Wittek. Meine Kindheit habe ich in der Mährischen Walachei erlebt und habe auch sehr lebendige Erinnerungen an die Kriegszeit. Es ist beachtungswert, wie getreu, zutreffend und ausführlich M. Wittek die einzelnen Ergebnisse aus seiner Schulzeit, sowie die letzte Etappe vor dem Kriegsende, vor allem den Anmarsch der sowjetischen Soldaten und die Angst und Beklemmung der Erwachsenen, schildert. Der Zeitraum nach dem Krieg ist vor allem durch die ungerechte Internierung seines Vaters charakterisiert, durch die schwierige Besuche bei ihm, durch die Not und den Hunger, durch das Leben eines Jungen in der Zeit, wo die tschechischen Kinder schon ihre Schule besuchten. Erst schrittweise kam es zu den ersten Kontakten zwischen den tschechischen und den deutschen Kindern. Dazu noch die riesige Unsicherheit, was jetzt folgen wird... Und ein Jahr nach dem Kriegsende standen wieder andere Plagen bevor – die Vorbereitungen für die Aussiedlung, die leidvolle Reise über Wischau, Brünn und Prag nach Westhausen in Deutschland. Auch hier erwartete sie aber kein einfaches Leben...
Die Erinnerungen lesend, erlebte ich sie eigentlich mit Herrn Wittek zusammen. Die packende, realistische Erzählung ist das Effektivbild der damaligen Zeit. Es geht dabei nicht um Konfrontation und Hass, sondern es wurde auch an einige – auch wenn nicht häufige – Fälle, wo gegenseitiges Verständnis zum Ausdruck gebracht wurde, erinnert. Ich würde sehr empfehlen, diese Erinnerungen als Buch zu veröffentlichen. Auch in dieser Zeit – sechzig Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges – wäre es bestimmt ein weiterer, wenn auch kleiner Beitrag zur „Versöhnung“. Es könnten dazu auch die „Schicksale der Wischauer Deutschen in 40 Jahren des 20. Jh. mit den Augen des deutschen Kindes“ – wie der Untertitel von Wittek´s Erinnerungen lautet – beitragen.
Ludek Matyas
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